Der Geschmack des Geldes
- Bernd
- vor 2 Tagen
- 6 Min. Lesezeit
2026

Steckbrief:

Hauptstadt: Doha
Politik: Emirat, Monarchie
Geld: Qatar-Riyal
Staatsreligion: Islam
Einwohner: 3,6 Millionen, davon lediglich 710.000 Kataris
Einreise: Je nach Herkunftsland kann man ohne Visum einreisen. Siehe: visitqatar.com
Es ist meine erste Reise dahin: Auf den ersten Blick scheint Qatar ein Abklatsch Dubais zu sein. Doch der Schein trügt. Katar ist ein kleiner, aber wirtschaftlich bedeutender Staat mit dem dicksten Bankkonto auf der Arabischen Halbinsel am Persischen Golf. Das war nicht immer so. Das Emirat grenzt im Süden an Saudi Arabien. Wer mutig genug ist, sich mit dem Geländewagen in die Dünen zu stürzen, merkt schnell: Saudi-Arabien ist näher als die nächste Burger Bude, und doch bleibt Qatar unverwechselbar.
Sicherheit

Qatar ist - so mein subjektives Gefühl - flächendeckend videoüberwacht. Das macht es, was Allgemein- und Kleinkriminalität betrifft, zu einem sicheren Reiseland. Ganz anders ist die Situation bei Finanzkriminalität. Stichwort: Cyberkriminalität und Phishing-E-Mails.
LGBTQ+: Die Polizei überwacht gezielt Dating-Apps und soziale Medien. Personen können gezielt ins Visier genommen werden. Das Mittelalter lässt grüßen.
Wirtschaft

Der heutige Reichtum des Landes speist sich aus enormen Erdgas- und Erdölvorkommen, die Qatar zu einem der wohlhabendsten Staaten der Welt gemacht haben.
So liegt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2022 bei 235 Milliarden US-Dollar, was einem BIP von gut 71.000 US-Dollar pro Kopf entspricht. Zum Vergleich: Das BIP lag in Deutschland 2024 bei ca. 51.000 €. Da kann man in Qatar schon mal eine Shisha mehr rauchen.
Oha Doha

Die futuristische Hauptstadt Doha an der Küste des Persischen Golfs hat sich in den letzten Jahren zu einem modernen Zentrum für Wirtschaft, Kultur und internationale Veranstaltungen entwickelt. Sie besticht gleichermaßen mit spektakulären Bauwerken im traditionellen Stil. Es sind architektonische Meisterwerke, wie das Nationalmuseum, das einer Wüstenrose nachempfunden wurde.
Al Corniche

Die Corniche erstreckt sich etwa 7 km halbmondförmig an Dohas Küste. In den kühleren Wintermonaten nutzen die Bewohner die Corniche zum Joggen, Radfahren, Scootern oder einfach nur zum Spazieren gehen.

Entlang der Corniche könnt Ihr auch Bootstouren mit traditionellen Dhows buchen oder einfach nur die Skyline der Stadt genießen. Hier sind einige der Sehenswürdigkeiten zu finden.
Museum für islamische Kunst
Meine Wertung: ****

Schon vom weitem erkennt ihr das prägnante Museum für islamische Kunst.

Da hockt er nun seit dem 12. oder 13. Jahrhundert wie ein Häufchen Elend mit verdutztem Gesichtsausdruck und wundert sich vermutlich über seine Verwandten, die Menschen.
Doch so viel geändert hat sich vermutlich nicht.
Oder doch?
Fahrt hin und macht Euch selbst schlau.
Der Islam fasziniert mich, ich kann aber für keinen Zugang zu dieser Weltreligion finden, die einst durch Toleranz und Wissenschaft glänzte und zunehmend durch religiösen Fanatismus und Intoleranz weltweit Schlagzeilen macht.
Insofern erschließen sich mir auch nicht die prächtigen Teppiche mit ihren verklärten Mustern, auch nicht die zahlreichen kunstvollen alten Schriften, die sie hier ausgestellt haben. Gleiches gilt für mich für das Christen- und Judentum. Sorry.

Es scheint so, als würde sich auch hier alles wiederholten, wie bereits in den unzähligen Museen zuvor, die ich auf dieser Welt besuchen durfte. Eine privilegierte Schicht lässt sich für sündhaft teures Geld religiöse oder weltliche Statussymbole in zugegebenermaßen eindrucksvoller Kunstfertigkeit herstellen, um damit an ihren niedrigeren sozialen Status zu erinnern.
Trotzdem lohnt ein Besuch, allein schon wegen der Architektur.

Flag Plaza
Meine Wertung: **

In der Nähe zum Museum für islamische Kunst findet Ihr den 2022 gebauten öffentlichen Platz. Dort stehen 119 Fahnen, mit denen Qatar diplomatische Beziehungen unterhält. In der Mitte ist die Flagge Qatars aufgestellt. Die verbündeten und befreundeten Staaten stehen der Flagge Qatars am nächsten.

In unmittelbarer Nähe sind Parkanlagen mit Wasserspielen. Wasser war (und ist) der wahre Reichtum in einem Wüstenstaat. Ihre dekorativen Brunnen sind daher noch immer Symbol für Fruchtbarkeit und Status.

Meine Wertung: *****
Wir verlassen die Corniche und erreichen das historische Hafenviertel. Der Frachthafen wurde 2016 originell umgestaltet. Aus den Containern entstanden Shops und Cafés. Das erinnert ein wenig an Kapstadt. Hierzu hat man die Frachtcontainer technisch nachgerüstet und in leuchtenden Farben lackiert. Er liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Yachthafen. Die fußgängerfreudliche Gegend verströmt maritimen Charme.

Auch hier sind überall Wachleute meist aus afrikanischen Ländern postiert. Sie schauen meist entsprechend grimmig. Ich rufe einem "Jambo!" - ein Wort in Suaheli (Kiswahili) - für "Guten Tag!" entgegen. Sofort hellt sich sein Gesicht mit einem freundlichen Lächeln auf. Wir tauschen ein paar Sätze über seine Heimat Kenya. Kurz darauf verabschiede ich mich mit "Sawa, asante sana.", Ok, danke." und setze meinen Weg zum Mina District fort.
Mina District
Meine Wertung: *****

Der malerische Mina District erinnert mich entfernt an das Künstlerdort Sidi Bou Said in Nordtunesien. Die in Pastellfarben gehaltenen traditionellen Gebäude wurden zum Teil mit Graffitis bemalt. Ein sanfter bunter Farbtupfer an der Küste von Qatars Hauptstadt.


Einst war hier der Hafen Mittelpunkt des Geschehens – und das spürt man bis heute: Alte Lagerhäuser wurden liebevoll restauriert und erstrahlen nun in lebendigen Pastellfarben.
Es ist eine Mischung aus mediterranem Flair und katarischer Modernität.
Hier bieten zahlreiche kleine Shops Kunsthandwerk und Souvenirs an.
Entlang der Uferpromenade laden Kioske, Restaurants und Bars mit leckeren Speisen und Getränken zum Relaxen ein.
Wer länger bleiben möchte der findet hier kleine Pensionen und Hotels.
Der Ort verfügt über eine nahegelegene Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe, ohne dass sein Charme verloren geht.
Und wie überall in Doha findet Ihr auch hier zahlreiche Skulpturen. Sie lockern das Gesamtbild des Ortes wohltuend und unaufdringlich auf. Na, ja, fast jedenfalls.

Doch eine künstlerische Darbietung lässt mich schmunzeln.
Es wird schwer sein, diesen Teil meines Reiseblogs ins Englische zu übertragen. Es handelt sich nämlich um einen sehr deutschen Humoristen, Comedian würde man heute sagen, der in allen deutschsprachigen Ländern bis heute sehr populär ist: Loriot im Allgemeinen und sein Cartoon über zwei ältere Herren, die sich in der Badewanne gegenübersitzen und sich über das Qietsche-Entchen streiten.
Genau an diesen Cartoon erinnert mich die überdimensionierte Spielzeugente hier.

Fischmarkt
Meine Wertung: *****

Zum Mina District gehört auch der Fischmarkt. Jetzt werden einige meiner Freunde schmunzeln. Meide ich doch Fischmärkte wie der Teufel das Weihwasser.

Ich ertrage den massiven Geruch nicht. Einmal, bei einer geführten Tour in Libyen, musste ich mich fast übergeben.
Davon kann hier keine Rede sein. Der historische Fischmarkt - zumindest glaube ich, dass er hier historisch ist - ist wie ein Kunstwerk arrangiert.
Schon das Gebäude beeindruckt, insbesondere sein Inneres. Und der Fischgeruch hält sich in Grenzen.
Wer möchte, kann sich gleich in das angeschlossene Fischrestaurant eine Mahlzeit bestellen.
Guten Appetit.
Old Doha Miniature
Meine Wertung: *****

Die wenigsten werden diesen Park nicht auf dem Schirm haben. Er zeigt eine Vielzahl von Modellen Qatars, mit vielen liebevollen Details zum Leben in alten Zeiten. Ich war schon daran vorbei gelaufen als ich das schillernde Türkis in der Sonne flimmern sah.

Verschiedene Orte wurden nachgebildet. Auf kleine Tafeln kann man ihre Geschichte nachlesen.
Stellt Euch einfach vor, Ihr könntet mit einer Lupe durch das alte Doha spazieren – genau das ist Old Doha Miniature.


Dieses winzige Wonderland bringt Qatar aufs Handtuchformat: von historischen Souks, bis hin zu Moscheen, deren Minarette fragil und zerbrechlich sind.
Ein Platz, der selbst die Sandkörner zum Leben erwachen lässt, mit feinen Details und Kamele im Maßstab 1:1000, die durch winzige Gassen schlendern.
Wer Doha noch nie so kompakt, charmant und schmunzelnd erlebt hat, sollte Old Doha Miniature besuchen, weil sie hier Geschichte auf kleinstem Raum servieren, mit einem Augenzwinkern inbegriffen!
Der Eintritt ist frei.
Mein Mobile zeigt mir an, dass ich an diesem Tag 13 km gelaufen bin. Zeit, Feierabend zu machen.

Doha National Museum
Meine Wertung: *****

Der französische Architekt Jean Nouvel erschuf ein Museum, dass einer Wüstenrose ähnelt. Bei dem Original handelt es sich um ein Kristallgebilde, dass sich in Wüstenregionen bildet und an Rosenblüten erinnert.

Wie ein futuristisches Raumschiff lockt es Besucher an.
Das Museum zeigt die Geschichte Qatars, mit Schmuck, Artefakten und Kunst, wie z.B. einen Teppich, der komplett aus Perlen geknüpft wurde.
Die Hauptthemen sind:
Staatsgeschichte
Naturgeschichte
Archäologie
Ethnologie
Gegenwart und Zukunft
interaktive Projektionen.
Daneben gibt es noch einen Außenbereich mit Beduinenzelt und traditionellen Gegenständen.
Hamad International Airport
Meine Wertung: *****+

Der nach Hamad bin Khalifa Al Thani benannte Airport gib ist ein letztes Highlight bei Eurer Abreise. Weit über 50 Millionen Gäste kommen jährlich an. Die Architektur soll an eine Welle des Arabischen Golfs erinnern. Der Airport wurde mehrfach ausgezeichnet.

Sein 6.000 qm großer tropischer Garten im Gebäudeinneren und der 575 qm große Teich sorgt für ein entspanntes Flughafenfeeling. Dazu trägt auch das wohltuende Tageslicht bei, das durch das Dachs strömt und die Hallen durchflutet. Die kunstvollen Skulpturen sind sehr amüsant anzusehen.
I wish you a pleasant flight.
















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